Chronologie Jörg D. Börjesson
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Wie alles Anfing ...
Im Sommer 1984 begann Jörg D. Börjesson mit dem Bodybuildingtraining. Andere Sportarten, wie vielleicht Fußball oder Leichtathletik, kamen für ihn nicht in Frage. Schon als Kind hatte er Probleme mit Asthma. Das ist genau das richtige für dich, da wirst du richtig fit, dachte er damals. Schon nach relativ kurzer Zeit bemerkte er (neunzehnjährig) wie sein Körper sich veränderte. Seine Arme wurden strammer und hart, er wurde breiter und die Schultern formten sich. Langsam bekam er eine athletische Figur.
Das Training
Im Sommer 1985 fand in dem Studio, wo er trainierte, ein Trainingsseminar statt. Als das Seminar vorbei war, wurde er dann später im Umkleideraum von dem Seminarleiter, der für alle ein sportliches "Idol" bedeutete, persönlich angesprochen.Foto: Jörg Börjesson beim Bodybuildingtraining - © Jörg BörjessonMan unterhielt sich über Krafttraining und u.a. auch über gesunde Ernährung. Als Jörg seine Ungeduld gegenüber dem Leiter erklärte, griff der auf einmal in seine Trainingstasche und sagte, hier, schluck mal zwei dieser Tabletten zwei Stunden vor dem Training, und du wirst länger und intensiver trainieren können. Somit kannst du deinen erwünschten Körper viel schneller aufbauen, und wenn du dich an Dosierungen hältst, die ich dir vorgebe, werden keine Probleme auftauchen. Das mit den Nebenwirkungen, ist sowieso nur ein "Mhytos„! Skeptisch fragte Jörg bei seinem Fitness-Vorbild aber nach, ob das nicht irgendwelche "Doping-Sachen" wären. Als aber der damalige Seminarleiter anfügte, dass er ja selber diese angeblichen "Leistungsförderer„ auch vor dem Training schluckt - was Jörg auch beobachten konnte - und dass diese Mittel mehr auf eine neuartige Eiweiß (Aminosäuren)- und Vitaminbasis (Hochdosiert) gehalten sind, verflogen seine anfänglichen Bedenken. Zwar wären "gewisse Spuren„ z.B. von Anabolika mit eingeschlossen um den "anabolen„ bzw. aufbauenden Effekt erreichen zu können aber schließlich kommt es ja auch auf die verabreichte Dosierung an (so das "Idol„). Im übrigen wären es alles "saubere Produkte„ - direkt von der Pharmaindustrie und nichts vom Schwarzmarkt. Also wären mögliche Nebenwirkungen eine falsche Vorstellung. Nach diesen Aussagen seines "Idols„ verflogen die anfänglichen Bedenken von Jörg. Man verabredete sich. Auf der FIBO-Messe 1986 wollte man sich wieder treffen.
Der Erfolg gab ihm recht ...
Sofort fing Jörg an, 5-6 mal die Woche zu trainieren. Akribisch wurde auf die Ernährung geachtet. Als Jörg dann später auf dieser Messe sein angebliches Vorbild wieder sah und man sich mehr als gut verstand, gab er dem damaligen Seminarleiter, der mehrmals danach fragte, seine Telefonnummer. Ein halbes Jahr später nahm Jörg an Wettkämpfen teil und heimste auch den einen oder anderen Pokal ein. Die ganze Zeit aber über hielt sein "Idol„ Kontakt mit ihm. Und bei jedem Treffen wurden ihm weitere Präparate angeboten und verkauft. Erst kosteten sie 50 Mark, dann 100, zuletzt kaufte er Rationen im Wert von über 500 Mark. Jörg ahnte nicht, wie gefährlich die Mittel und die Dosierungen waren; über drei Jahre ging das dann so weiter.
Doping hat seinen PREIS
Zum Ende der 80 - er Jahre bekam er dann während des Trainings urplötzlich äußerst starkes Nasenbluten. Wenig später spielte dann auch noch die Verdauung verrückt und es stellten sich immer häufiger Magen- und Darmkrämpfe ein. Er ging zum Arzt. Eine chronische Magenschleimhautentzündung und eine sogenannte Gynäkomastie ( d.h. eine abnorme Größenzunahme der männlichen Brust ) wurde diagnostiziert.
Ende 1989 rief das vermeintliche "Idol" unverhofft an und erklärte, dass er sich ganz schnell mit Jörg treffen müsste - er hätte großartige "Leistungsförderer" dabei. Als er aber von seinen gesundheitlichen Problemen berichtete und sagte, dass er momentan nichts mehr kaufen würde, wurde "sein angebliches Idol" ziemlich aggressiv. Bevor er auflegte, sagte er noch im letzten Gespräch, dass Jörg absolut mit niemand über diese ganze Angelegenheit sprechen darf.
Erkenntnis
Es hatte Jahre gebraucht, bis er begriffen hatte, was überhaupt passiert war, denn es war ihm nicht klar, dass er über Jahre gefährlichen Medikamentenmissbrauch betrieben hatte. "Von Nebenwirkungen war nie die Rede", erinnert er sich, "mein Dealer hat mich immer beruhigt". Heute hat sich seine sportliche Einstellung zum Krafttraining bzw. Sport generell, hat sich grundlegend geändert. Er hat die Fronten gewechselt.
Jörg D. Börjesson: Ich bin der Meinung, dass die Erfahrung von Freundschaft und Teamgeist im Sport sowie die Freude am Sport wichtiger ist als die eigentliche Leistung. Jeder muss dazu bereit sein, seine Grenzen kennen zulernen. Sie zu aktivieren, sind die wichtigsten Voraussetzungen für die Verhütung des Anabolika-Missbrauchs. Gerade Jugendliche müssen begreifen, sich so zu akzeptieren, wie sie sind. Nicht alle werden als Adonis oder Venus geboren oder entsprechen dem durch die Mode diktiertem Ideal. Dies zu anerkennen, fällt aber nicht nur Jugendlichen, sondern auch manchen Erwachsenen schwer. Bei anderen gut oder schlecht anzukommen, ist keine Frage des Aussehens, sondern des Geschicks im Umgang mit andern und des gesunden Selbstbewusstseins. Dazu gehört auch, sich selbst annehmen zu können. Auch Eltern und Lehrer müssen klar zum Ausdruck bringen, dass Doping im Sport nicht nur unfair ist, sondern schwerwiegende gesundheitliche Probleme mit sich bringt. Ich will meine eigenen Erfahrungen, die ich in Sachen Anabolika-Missbrauch machen musste, hauptsächlich auf Kinder und Jugendliche übertragen.
Eine Pauschalisierung, dass angeblich alle Fitnessstudios mit Doping verseucht sind, halte ich für falsch. Es gibt genügend Fitnessstudios die gesundheitsfördernd in Aktion treten. Sie haben es verdient, sich von den "Schwarzen Schafen" abgrenzen zu können. Diese Sportstätten sollten meiner Meinung nach staatlich gefördert werden, denn da liegt die "Zukunft des Sportes" allgemein und damit auch das "volksschädigende Problem" des Dopings. Im Spitzensport sind es nur eine Handvoll Sportler, die von Sponsoren getrieben werden. Im Breiten- u. Freizeitsport allerdings schätzen Experten, dass es sich dabei um über 350 000 handelt - gerade 15 - 17 -jährige sind betroffen - die Dunkelziffer ist gewaltig!
Ich selbst musste mich wegen "Knoten in den Brustdrüsen" (durch Testosteron) am 21.03.02 operieren lassen. Insgesamt wurde über 400 Gramm verändertes Gewebe entfernt. Es besteht Verdacht auf Brustkrebs.
Gerade Jugendliche kann ich nur eindringlich vor den Einsatz von Doping-Mitteln warnen. Aber der Bodybuildingsport darf nicht verteufelt werden, denn es gibt heutzutage keine Sportart mehr die nicht von diesen wichtigen Trainingsprinzipien profitiert – dass fängt beim Fußball an und hört beim Boxen auf. In Bezug auf Disziplin von Bodybuildern/-innen sind viele Sportler von sogenannten "Vorzeigesportarten„ neidisch – und das mit recht. aber: Zwar soll und kann jeder für sich selbst entscheiden, ob er sich durch Medikamentenmissbrauch schädigt, aber jedem muss klar gemacht werden, dass jeder, der durch den Einsatz von Doping-Mitteln eine Steigerung seiner eigentlichen Leistung etc. erwartet, diese Präparate immer in Überdosierung zu sich nehmen muss. Und jede Überdosierung - und es ist egal ob es sich dabei um sonst harmlose Schupfen- oder Hustenmittel handelt - ist immer mit irgendwelchen Nebenwirkungen behaftet, die in manchen Fällen leider sogar bereits bis zum Tod geführt haben.
Das Leben nach dem Doping
Jörg D. Börjesson hat seine plastische Operation (21.02.02) wegen des geschädigten Brustdrüsengewebes überstanden.Foto: Jörg Börjesson vor der OP - © Jörg Börjesson Alles wurde von einem TV-Sender im Elisabeth-Krankenhaus unter der Leitung des Plastischen Chirurgen Herrn Dr. med. Abdul Rahman Yousef in Recklinghausen dokumentiert. Der Blick in den Spiegel noch vor der Operation war für Jörg immer der absolute Horror. Denn wenn er in den Spiegel blickte, dann sah er einen Körper wie bei einer Frau. Der heute 36jährige hatte zwei weibliche Brüste. Aber damit nicht genug: Die Brüste waren völlig unförmig, unterschiedlich groß und hingen herunter. "Ich fühl mich gar nicht mehr als Mann", so Jörg zu jener Zeit. Er hatte beidseitige Verhärtungen - Knoten in der Brust. Höllische Angst hatte er vor "Brustkrebs"! Jörg ahnte innerlich, dass die Verhärtungen in seiner Brust eineFoto: „tickende Zeitbombe„ waren. Und das alles nur, weil er als Jugendlicher den Aussagen seines ehemaligen „Idols„ Glauben schenkte wie zum Beispiel, dass gesundheitliche Schäden durch Einnahme von aufbauenden Präparaten nur ein Mythos wäre.Jörg Börjesson nach der OP - © Jörg Börjesson 
Heute versteht er sich als eine Art "Präventologe„. Gesundheitssuchende werden von ihm gezielt und individuell beraten bzw. aufgeklärt. Niemand anderes hat sich jemals so progressiv und öffentlich mit Aufbietung der eigenen Person für die "Prävention des Dopings" eingesetzt, wie Jörg D. Börjesson. Bundesweit wird Jörg jetzt in Schulen, Fitnessstudios, Sportvereine jeder Art und auf Messen sich aufklärerisch bewegen und am eigenen Beispiel, vor allem Jugendliche, vor Doping warnen. Er will somit das ehrenwerte Ziel erreichen, dass gerade Jugendliche vor Doping-Präparaten und somit vor den daraus resultierenden Gesundheitsschäden geschützt werden. Niemand soll in die gleiche "Doping- Falle„ tappen, die ihn selbst zum Patienten machte.
Kontakt mit Jörg D. Börjesson aufnehmen ...
Quelle Fotos: © Jörg Börjesson